Über den Preis

Ein anfänglicher Glaube, fast alles zu wissen, endet oftmals in dem Wissen, fast alles nur zu glauben.
(Michael W. Driesch)

Wissenschaft ist die Suche nach Wahrheit. Erkenntnisse müssen dabei nachvollziehbar sein. Es führt aber die materialistisch determinierte und dominierte Sicht gerade in Zeiten fortschreitender Erkenntnisse paradoxerweise zu Fragen, die sich insbesondere in den Naturwissenschaften möglicherweise niemals endgültig im Fach selber klären lassen, und für deren angestrebte finale Entschlüsselung auch Fächer der Geisteswissenschaften Anstöße bieten können und müssen. So wie auch die Geisteswissenschaften von Erkenntnissen der Naturwissenschaften profitieren.

„Nichts in den Geisteswissenschaften ergibt einen Sinn außer im Lichte der Biologie“[i] formulierte der Evolutionsbiologe Prof. Dr. Ulrich Kutschera und steht damit stellvertretend für eine materialistische Wissenschaftssicht, die jedoch bisher nicht bewiesen hat, die Rätsel lösen zu können, denen (auch) sie auf der Spur ist. „An der Spitze der Dogmatiker stehen heutzutage die Naturwissenschaftler und Skeptiker. Sie gestehen zwar Fortschritt in Einzelheiten zu, etwas grundsätzlich Neues aber ist nach ihrer Ansicht verboten. Dieser dogmatische Common Sense ist der Todfeind …“ formuliert bereits 1949 A. N. Whitehead.[ii]

Mit dem Hans Driesch Wissenschaftspreis sollen Wissenschaftler gefördert werden, die einen innovativen Weg – auch gegen Widerstände – gehen oder gingen und/oder disziplinübergreifend arbeit(et)en, egal in welchen Fachgebieten. Unabhängig von der aktuellen Anerkennung ihrer Forschungsergebnisse soll auch der Mut belohnt werden, neue Pfade zu beschreiten und den wissenschaftlichen Mainstream zu verlassen. Die Freiheit des Denkens darf auch in der Wissenschaft nie eingeschränkt werden,  gerade wenn die Gedanken die Grenzen der vorherrschenden Meinung überschreiten. Auch diese Freiheit soll der Preis unterstützen.

Die Universität Witten/Herdecke als Partner der Verleihung des 1. Hans Driesch Wissenschaftspreises 2013 ist eine freie Universität in privater Trägerschaft, gemeinnützig und ohne Gewinnorientierung, die sich der Bearbeitung gesellschaftlich relevanter Problemfelder widmet und ihre Denkansätze und Ergebnisse am Wahrheitsgehalt und an den ethischen und praktischen Folgen für die Lebenswirklichkeit bemisst. So wurde unter anderem das „Studium fundamentale“ gegründet, um durch erkenntniskritische Urteilsbildung Voraussetzungen zu schaffen für die Überwindung tradierter Wissenschaftsdogmen und zur Fähigkeit Problemstellungen von verschiedenen Gesichtspunkten aus zu beurteilen. Die Universität Witten/Herdecke ist Synonym für disziplinenübergreifendes Denken und Wirken in Forschung, Lehre und Gesellschaft.

Ab 2014/2015 wird der Preis vom Privaten Düsseldorfer Institut für Kunst und Wissenschaft[iii] verliehen.

Der Hans Driesch Wissenschaftspreis ist mit 2.000 Euro dotiert, dazu wird eine Urkunde vergeben.


[i] http://www.laborjournal.de/rubric/archiv/editorials/317.lasso (abgerufen am 22. Dezember 2011)

[ii] J. Dewey, A. N. Whitehead, „Vom Ursprung des Philosophierens“, Der Monat 013, 1949, S. 23-35

[iii] Zur Information: Der Vorstand des Instituts, Dr. Michael W. Driesch, ist mit Prof. Dr. Hans Driesch weder verwandt noch verschwägert. Die Namensgleichheit ist zufällig.