Preisträgerin 2013

Preisträgerin des Hans Driesch Wissenschaftspreises 2013: Dr. Anna Lena Bercht

Dr. Anna Lena Bercht ist Geografin an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und freie wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Katastrophenforschungsstelle der Freien Universität in Berlin. Bercht hat sich seit ihrer Promotion auf die Mega-Städte in China und Bangladesch spezialisiert. Ihr Forschungsansatz besteht darin, Geografie und Psychologie zu vereinen, um die rasanten Urbanisierungsprozesse in ihrer Wirkung auf deren Bewohner besser zu verstehen. Dabei bezieht sie kognitive und emotionale Prozesse sowie Personenmerkmale von Einzelpersonen in ihre Betrachtung ein.

Begründung der Jury:

Mit dem Hans Driesch Wissenschaftspreis sollen Wissenschaftler ausgezeichnet werden, die einen innovativen, disziplinübergreifenden Weg – auch gegen Widerstände – gehen oder gingen. Unabhängig von der aktuellen Anerkennung ihrer Forschungsergebnisse soll auch der Mut belohnt werden, neue Pfade zu beschreiten und den wissenschaftlichen Mainstream zu verlassen. Die Freiheit des Denkens darf auch in der Wissenschaft nie eingeschränkt werden, gerade wenn die Gedanken die Grenzen der vorherrschenden Meinung überschreiten. Auch diese Freiheit soll der Preis unterstützen.

Die von Alexander von Humboldt geprägte Humangeographie begegnet der Psychologie oftmals mit starken Vorurteilen, wie Anna Lena Bercht in ihrer Forschungsarbeit feststellen musste, da „sie diese auf Krankheit und therapeutische Maßnahmen begrenzt, ihr eine ,Kontextvergessenheit’ unterstellt und dabei den synergetischen Mehrwert für bestehende, auch über das Individuum hinausgehende und die Umwelt einbeziehende kultur-, sozial-, umwelt- oder stadtpsychologische Ansätze verkennt.“ (Bercht, 2013).

Im Rahmen ihrer bisherigen und zukünftigen Forschungsarbeit ist es Anna Lena Berchts Zielsetzung, die Verknüpfung von Geographie und Psychologie theoretisch-konzeptionell zu begründen, den daraus resultierenden Mehrwert empirisch zu untermauern und im Ergebnis die für die Erfassung komplexer Wirkungszusammenhänge notwendige Abkehr von einer „disziplinären Verengung“ aufzuzeigen. „Facharroganz“ soll – so Bercht – durch eine „transdisziplinäre Begegnung am Problem“ ersetzt werden.

Anna Lena Bercht geht in ihrer Wissenschaft einen Weg, der nicht bequem die eigene Komfortzone unterstützt, sondern einen Weg, der unbequem zu neuen Erkenntnissen führen soll. Auch wenn Sie – anders als die beiden diesjährig Mitnominierten – nur auf eine bisher kurze Wissenschaftslaufbahn zurückblickt, so ist doch gerade dies der Grund, warum sich die Jury für Anna Lena Bercht entschieden hat. Denn der Mut in der Wissenschaft, tradierten Vorgehensweisen argumentativ neue Wege zu zeigen, ist gerade dann beeindruckend, wenn es durch eine junge Wissenschaftlerin geschieht.

Die Jury freut sich daher sehr, Anna Lena Bercht als erste Preisträgerin des Hans Driesch Wissenschaftspreises auszuzeichnen, und so nicht nur ihre Arbeit zu würdigen, sondern auch ihren interdisziplinären Forschungsansatz zu unterstützen.